1,4 Millionen Deutsche von Lebensmittelallergien
betroffen

Nüsse, Eier, Milch: Immer mehr Menschen leiden unter Lebens­mittel­allergien. Nach aktuellen Schät­zungen sind in Deutsch­land rund 900 000 Erwachsene und rund 500 000 Kinder betroffen. Die Zahlen haben sich damit in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. Was eine Lebens­mittel­allergie besonders unangenehm und gefähr­lich macht: Schon Spuren des All­ergens können zu heftigen Reaktionen führen.

Hersteller haben Hinweispflicht

Für Lebens­mittel­hersteller gelten deshalb genaue Kenn­zeichnungs­pflichten. Verarbeiten sie eine der aufgeführten Zutaten in einem Lebens­mittel, müssen die Hersteller darauf im Zutaten­verzeichnis auf der Verpackung hinweisen. Die Angabe ist selbst bei geringsten Mengen Vorschrift. Alternativ kann sich die Verwendung der Zutat auch aus der Verkehrs­bezeichnung des Lebens­mittels ergeben: Bei einer „Frisch­käsezubereitung“ beispiels­weise wird bereits aus der Bezeichnung deutlich, dass Milch verarbeitet wurde.

Wer eine Lebensmittelallergie hat, ernährt sich meist mit Vorsicht. Denn schon Spuren von Nüssen in einer Schokolade oder von Sellerie in einem Fertigge­richt können für Allergiker unangenehme oder sogar gefähr­liche Folgen haben. Auf den Genuss folgen Haut­ausschlag, Atemnot oder Kreis­lauf­versagen und im schlimmsten Fall ein lebens­bedrohlicher anaphylaktischer Schock. Dass die Zahl der Betroffenen in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist, führen Ernährungs­experten vor allem auf die veränderten Ernährungs­gewohn­heiten zurück. Denn stark verarbeitete Produkte wie Fertigmahl­zeiten enthalten oft auch stark all­ergene Stoffe wie Erdnuss, Soja, Sellerie oder Gewürz­mischungen. Wer weiß, dass er auf eine bestimmte Zutat allergisch reagiert, kauft Lebens­mittel mit Bedacht ein. Im Zweifel müssen Betroffene auf vieles verzichten.

Warnungen teilweise übertrieben und
unbegründet

Allergiker stehen dennoch vor einem Problem. Zum einen besteht die Kenn­zeichnungs­pflicht bislang nur für abge­packte Lebens­mittel. Für Brot und Brötchen vom Bäcker beispiels­weise gelten die Vorschriften nicht. Das wird sich ab Dezember 2014 ändern. Dann sollen auch lose angebotene Lebens­mittel EU-weit gekenn­zeichnet werden. Zum anderen weisen immer mehr Lebens­mittel­hersteller freiwil­lig auf möglicher­weise enthaltene All­ergene hin, um sich vor eventuellen Haftungs­ansprüchen zu schützen. Sie warnen auf den Verpackungen mit Formulierungen wie „Kann Spuren von Nüssen, Sesam und Milch enthalten“, da diese während der Herstellung oder Abfüllung versehentlich in die Produkte gelangt sein könnten. Allergiker verzichten im Zweifel auf den Kauf dieser Produkte. Dass die All­ergene tatsäch­lich darin enthalten sind und in welcher Menge, steht jedoch nicht fest. Der Deutsche Allergie- und Asth­mabund fordert deshalb Schwellen­werte für Spuren fest­zulegen, bei denen keine schweren allergischen Reaktionen zu erwarten sind, und die den Herstel­lern als einheitliche Richt­linien für die Kenn­zeichnung dienen sollen. So würden Allergiker vor unbe­gründeten Warnungen und damit auch über­triebenem Verzicht geschützt.

Allergien und Unverträglichkeiten

Übrigens: Zwischen Lebens­mittel­allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten besteht ein Unterschied. Die Symptome können zwar ähnlich sein – häufig treten in beiden Fällen Bauch- und Kopf­schmerzen, Übel­keit und Verdauungs­probleme auf. Bei einer Lebens­mittel­unver­träglich­keit ist das Immun­system aber nicht beteiligt. Wichtig zu wissen: Bei einer Unver­träglich­keit sollte das betreffende Lebens­mittel für einige Zeit aus dem Speiseplan gestrichen werden. Danach gilt es aber, eine individuelle Verträglich­keits­grenze auszuloten und das Lebens­mittel in Maßen wieder zu genießen. Während bei einer Unver­träglich­keit absoluter Verzicht also nicht erforderlich ist, ist er bei einer Allergie oberstes Gebot, um Reaktionen des Immun­systems zu vermeiden. Ob tatsäch­lich eine Lebens­mittel­unver­träglich­keit oder -allergie vorliegt, kann letzt­endlich nur ein Arzt entscheiden. Beim Verdacht auf eine Allergie werden zunächst Haut- und Bluttests durch­geführt. Auch ein Provokations­test sollte nicht fehlen: Dabei wird unter ärzt­licher Aufsicht erprobt, ob ein verdächtiges Lebens­mittel tatsäch­lich allergische Reaktionen auslöst.

 

Quelle: Stiftung Warentest

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