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Forscher testen lernfähiges System für den Lebensmittelhandel

Geschäfte müssen das Einkaufsverhalten ihrer Kunden richtig einschätzen. Sonst landen gerade frische Nahrungsmittel schnell im Müll. Forscher an der Technischen Hochschule Deggendorf entwickeln nun ein lernendes System für den Handel, das Essbares vor der Tonne retten soll.

Professorin Diane Ahrens von der Technischen Hochschule Deggendorf setzt sich gegen Lebensmittelverschwendung ein. Sie will herausfinden, nach welchen Kriterien Kunden im Einzelhandel einkaufen. Auf dieser Grundlage soll dann ein Superhirn für den Handel, ein lernendes System, die richtige Bestellmenge berechnen. Ahrens entwickelt es mit ihrem Team am Technologie Campus Grafenau. Das Projekt führt die Technische Hochschule Deggendorf gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie dem Lebensmittel-Discounter Norma als Projektpartner durch.

Einkaufsverhalten wird untersucht

Was beeinflusst also die Kunden beim Einkaufen? "Die Liste der Einflussfaktoren ist lang", sagt Ahrens, Leiterin des Logistik Campus. So kaufen Verbraucher manche Produkte vor allem zu bestimmten Jahreszeiten: "Obwohl zum Beispiel Räucherlachs inzwischen nicht nur auf den Weihnachtstisch und zum Osterfrühstück gehört, wird er doch vorwiegend in den Wintermonaten, Mozzarella hingegen in den Sommermonaten verkauft", erklärt Ahrens. Daneben beeinflusst das Wetter die Nachfrage bei Produkten wie Grillfleisch. Auch das Angebot der Konkurrenz, Werbeaktionen und Frische spielen eine zentrale Rolle – nicht zu vergessen Standort und Sortiment des Supermarkts.

Bessere Einkaufsvorhersagen möglich

Ahrens‘ System nutzt die ermittelten Einflussfaktoren für seine Prognosen. Dabei arbeite es ähnlich wie ein Gehirn, sagt die Professorin. "Es lernt aus Daten aus der Vergangenheit, unter welchen Umständen sich Umsätze für bestimmte Produkte verändern." Zum Beispiel können ungewöhnlich kühle Temperaturen  in Kombination mit starkem Regen einen besonders starken Einfluss auf die Nachfrage haben. Solche Erkenntnisse "merkt" sich das System. Auf Grundlage dieser "Erfahrungen" kann es gute Einkaufs-Vorhersagen entwickeln. "Ändert sich das Verbraucherverhalten, kann es dies auch lernen", sagt die Professorin. Im Ergebnis erwarten die Forscher deutlich verbesserte Prognosen im Einzelhandel – und damit weniger Lebensmittelabfälle.

Verbraucher tragen eine Mitschuld am "Müllberg"

Doch nicht nur die Wissenschaft, auch Verbraucher können helfen, die Lebensmittelabfälle im Handel zu senken. Viele Kunden wollten in einer Bäckerei auch kurz vor Ladenschluss noch eine große Auswahl haben, sagt Ahrens. Daher werde mehr Ware eingeplant, als benötigt, und bewusst in Kauf genommen, dass Ware weggeworfen würde. Hier können Verbraucher aktiv werden, indem sie Brot vom Vortag kaufen. Das rettet nicht nur Lebensmittel, es ist auch besser für den Geldbeutel. Wichtig ist auch, sich bewusst zu machen, dass abends ein geringes Backwarenangebot weniger Lebensmittelmüll bedeutet. „Wir Endverbraucher haben eine Mitschuld am Lebensmittelabfall, denn wir erwarten stets gefüllte Regale und Warenvielfalt, wodurch die Prognosen viel schwieriger werden“, so Ahrens.

 

Quelle: Zu gut für die Tonne!

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