Das Märchen von Wunderbeeren & Co.

Açaí, Chia, Goji, Maqui, Maca, Moringa und andere Exoten haben sich einen Ruf als Vitalstoff-Turbos, Anti-Aging-Wirkstoffe oder sogar Medikamenten-Ersatz aufgebaut. Für Superfood-Lebensmittel selbst ist solche Gesundheitswerbung verboten. In Internettexten und Büchern sind aber zum Teil haarsträubende Wirkungsversprechen zu finden.

So wird das Superfood verarbeitet

Superfood ist kein geschützter Begriff. Es sind meist natürliche Lebensmittel mit größeren Mengen an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Sie werden getrocknet, als Püree oder Extrakt, manchmal auch frisch verkauft und sollen als Zutat für besonders "gesunde" Rezepte, zum Beispiel Müslis, Smoothies und Smoothie-Riegel dienen. Zum Teil sind sie ein Bestandteil in funktionellen Lebensmitteln, wie bei Brötchen mit Chiasamen. Sehr häufig dienen sie in Kapsel- oder Pulverform als Nahrungsergänzungsmittel.

 

Superfoods können ‒ sofern sie nicht gerade in Kapselform verzehrt werden ‒ den Speiseplan durchaus bereichern und ganz neue Geschmackserlebnisse vermitteln. Ein gesundheitlicher Mehrwert im Vergleich mit der Vielzahl heimischer Gemüse und Früchte ist eher nicht gegeben.

Hersteller mit "frisierten" Nährwertanalysen

Für die meisten neuen Superfoods gibt es vor allem Nährwertanalysen von Herstellern, mit erstaunlichen Abweichungen zwischen einzelnen Anbietern. Veröffentlichte, wissenschaftlich basierte Daten geben oft nur Werte für die Hauptnährstoffe – Fett, Eiweiß und Kohlenhydrate – an, seltener auch für Vitamine und Mineralstoffe. Gesicherte Daten zu Enzym-Gehalten oder den Mengen einzelner sekundärer Pflanzenstoffe fehlen in der Regel. Allerdings ist für diese Inhaltsstoffe auch gar kein Bedarf bekannt, was eine gesundheitliche Bewertung schwierig macht.

Wissenschaftliche Daten fehlen zumeist

Im Internet und in populärwissenschaftlichen Büchern werden vorbeugende oder sogar heilende Wirkungen angepriesen. Doch fehlen dafür meist wissenschaftliche fundierte Studien, die die Wirkungen beweisen. Die meisten Aussagen zu Superfoods stammen von gewerblichen Anbietern, von einzelnen Beratern oder Interessengruppen. Dabei überwiegen Anekdoten und Erfahrungsberichte. Scharlatanerie ist weit verbreitet.

Häufig nur sehr geringe Mengen enthalten

Wer Superfoods ausprobieren möchte, sollte sich vorab vergewissern, ob es sich beim angepriesenen Produkt um die puren Früchte oder Samen handelt. Denn häufig sind diese lediglich als Zutat – zum Teil in Kleinstmengen – im Lebensmittel vorhanden. An den hochpreisigen Exoten wird gerne gespart. Zum Teil überwiegen andere Zutaten, weil die Superfoods nicht gut schmecken. Noni-Saft ist beispielsweise pur kein Genuss. Deshalb wird er meist gemischt mit anderen Säften wie Traube, Heidelbeere und Himbeere verkauft. Oft sind zudem zahlreiche Verarbeitungsschritte nötig, um das Superfood genießbar zu machen, etwa Extraktion, Trocknung und/oder die Zugabe von reichlich Zucker oder Aromen. Der Gehalt der beworbenen Inhaltsstoffe kann sich dadurch stark verringern.

 

Quelle: www.lebensmittelklarheit.de

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