Zahlreiche Lebensmittel werden speziell für Kinder angeboten.


Die Werbung verspricht eine “Extraportion Milch” in Schokolade, “wertvolle Vitamine” in Fruchtgummis, Milchdesserts “mit dem Besten aus der Milch” oder den Miniquark “ohne Kristallzuckerzusatz”.
Kann man der Werbung glauben? Welche Inhaltsstoffe sind sinnvoll, welche nicht? Tun wir unserenKindern mit diesen Produkten tatsächlich etwas Gutes? Wie soll man mit ihnen umgehen?

Eine Studie des VerbraucherService Bayern


Was sind Kinderlebensmittel?
Es gibt bislang keine lebensmittelrechtliche Definition für sogenannte “Kinderlebensmittel”.
Das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund (FKE) hat jedoch praxistaugliche Erkennungsmerkmale für Kinderlebensmittel erarbeitet. Es bezeichnet Lebensmittel als Kinderlebensmittel, wenn mindestens eines der folgenden Kriterien zutrifft:

  • Aufschrift “für Kinder” oder “Kids”
  • auffällige Gestaltung der Verpackung (z.B. Comicfiguren)
  • spezielle Formung, z.B. als Tier- oder Comicfguren
  • Beigaben, z.B. Aufkleber, Sammelbilder oder Spielfiguren
  • speziell an Kinder gerichtete Werbung bzw. Internetauftritte der Hersteller

Lebensmittelrechtlich gelten besondere Regelungen für Produkte für Kleinkinder im Alter von 1 bis 3 Jahren, die auch oft “ab12 Monaten” ausgewiesen werden. Diese Kleinkinderlebensmittel unterliegen ebenso wie Säuglingsnahrung der Diät-Verordnung, die für Rückstände, Schadstoffe und bestimmte Inhaltsstoffe, wie z.B. Farbstoffe, strenge Maßstäbe setzt.
Kinderlebensmittel für ältere Kinder dagegen unterliegen dem allgemeinen Lebensmittelrecht, genau wie herkömmliche Lebensmittel. Für sie gelten keine besonderen Schutzbestimmungen.


Brauchen Kinder Kinderlebensmittel?

Ernährungswissenschaftler sind sich einig: Kinder können und sollen ab dem Alter von einem Jahr am Familienessen teilnehmen. Sie brauchen keine Spezialkost bzw. „Extrawurst“, um sich gesund zu ernähren. Im Gegenteil: viele der angebotenen Speziallebensmittel erschweren sogar eine gesunde Ernährung: Sie enthalten zu viele Kalorien, zu viel Zucker, zu viel und ungünstiges Fett sowie unnötige bzw. bedenkliche Zusatzstoffe und Vitamin- und Mineralstoffanreicherungen, aber zu wenig wertvolle Bestandteile wie Ballaststoffe oder ungesättigte Fettsäuren. Sie eignen sich nicht als „gesunde Zwischenmahlzeit“. Gerade die am stärksten beworbenen Kinderlebensmittel wie Süßigkeiten, Chips und Limonaden enthalten außer viel Energie praktisch keine wertgebenden Inhaltsstoffe und können deshalb – im Übermaß konsumiert – zu Übergewicht oder Fehlernährung führen.


Worin liegt die Problematik der Kinderlebensmittel?

Zu süß
Kinderlebensmittel enthalten meist mehr Zucker als vergleichbare normale Lebensmittel und schmecken daher süßer. Oft werden mehrere Zuckerarten in einem Produkt eingesetzt, z.B. Zucker, Milchzucker, Traubenzucker, Traubenfruchtsüße oder Honig. Auf diese Weise steht Zucker dann nicht gleich an erster Stelle des Zutatenverzeichnisses auf der Verpackung, obwohl alle Zuckerarten zusammen eventuell den größten Gewichtsanteil ausmachen. Der hohe Gesamtgehalt an Zucker ist so nicht sofort erkennbar, vor allem, wenn eine ausführliche Nährwertkennzeichnung fehlt. Eine Portion eines Kinderlebensmittels (z.B. ein Erfrischungsgetränk oder ein Fertigmilchmischgetränk) enthält häufig schon soviel Zucker, wie das FKE insgesamt pro Tag duldet. So sollte ein 7 – 9 jähriges Kind höchstens 26 – 29 g Zucker aufnehmen (6% des Energiebedarfs für einen Tag). Diese Menge steckt bereits in einem Trinkpäckchen Fruchtsaftgetränk.

Zu fett / falsches Fett
Die Nährstoffzusammensetzung vieler Kinderlebensmittel entspricht auch beim Fett nicht den ernährungswissenschaftlichen Empfehlungen. Ein als Pausenmahlzeit beworbenes Produkt enthält oft bereits ein Drittel bis die Hälfte der empfohlenen Tageszufuhr eines Kindes an Fett. Das enthaltene Fett hat häufig eine ungünstige Fettsäurenzusammensetzung: zuviel gesättigte und zuwenig ungesättigte Fettsäuren. Vielfach werden „gehärtete“ und „teilweise gehärtete“ Fette und Öle verwendet, in denen vermehrt Transfettsäuren vorkommen können, die wiederum das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen erhöhen.


Anreicherung mit Vitaminen und Mineralstoffen
Eine ausgewogene Mischkost nach den Regeln des Forschungsinstituts für Kinderernährung liefert alle notwendigen Vitamine und Mineralstoffe. Lebensmittel damit anzureichern, ist somit grundsätzlich nicht nötig und so, wie es derzeit bei den Kinderlebensmitteln praktiziert wird, nicht sinnvoll. Auch, wenn nach Verzehrsstudien einzelne Altersgruppen mit einzelnen Vitaminen oder Mineralstoffen unterversorgt sind, rechtfertigt das nicht die wahllose Anreicherung vieler Produkte. Damit ist keine gezielte Versorgung möglich. Vielmehr sollten die Defizite durch eine günstigere Nahrungsmittelauswahl mit mehr Gemüse, Obst, Vollkorngetreide und Milchprodukten ausgeglichen.


Getränke
Beispiele: ACE- Getränke, Multivitaminsäfte, Calcium-angereicherte Säfte, Fruchtnektare, Saftschorlen, Fruchtsaftgetränke, Limonaden, Brausen, Getränkepulver.
Auf den Packungen sind häufig Früchte abgebildet. Fruchtsaftgetränke, Limonaden und Brausen enthalten jedoch wenig oder gar keinen Fruchtsaft, aber viel Zucker (bis zu 45 g pro Portion, also mehr als die empfohlene Tagesmenge), und müssen daher als Süßigkeiten eingestuft werden.
Wählen Sie reine Säfte ohne Anreicherung mit Vitaminen oder Calcium, verdünnen Sie sie mit Wasser oder nehmen Sie Schorlen ohne Zucker, Süßungsmittel und Aromen.


Fazit: Kinderlebensmittel

Kinderlebensmittel für Kinder ab einem Jahr sind zwar nicht notwendig, aber praktisch unvermeidlich. Sie leisten keinen Beitrag zu einer gesünderen Kinderernährung, sondern erschweren sie sogar teilweise. Sie werden deshalb im Rahmen einer sonst ausgewogenen Ernährung nach dem Vorsorgekonzept der “Optimierten Mischkost” des FKE geduldet. Ein gänzliches Verbot ist nicht sinnvoll, da diese Produkte dann umso erstrebenswerter erscheinen.
In allen Produktgruppen gibt es weniger günstige und günstigere Lebensmittel, die man gelegentlich verwenden kann. Bei der Auswahl können Testergebnisse helfen, aber auch das genaue und kritische Studium der Zutatenliste und der Nährwertinformationen.
Wenn man das Prinzip “Verdünnung” anwendet, die Mengen begrenzt und Kinder-Süßigkeiten nicht als Schul- und Kindergarten-Pausenmahlzeit mitgibt, können die angesagten Kinderlebensmittel Kindern nicht schaden. Vorausgesetzt, die sonstige Ernährung und auch die Bewegung stimmen.

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Percy Bongers (Chefredaktion)

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