Ein Kommentar von Hendrik Jürgens

 

Sind Himbeeren giftig und ist Cola krebserregend? Um die offensichtliche Antwort vorwegzunehmen: Nein, weder noch! Vielmehr las ich vor Kurzem einen sehr interessanten Artikel, der sich mit der tagtäglichen Panikmache in diesem Land beschäftigt. Darin nimmt Walter Krämer, ein Professor für Statistik an der Universität Dortmund, zu allerlei Schreckensnachrichten Stellung, die uns Deutsche regelmäßig ereilen. Dabei widmet er sich auch einigen angeblichen Hiobsbotschaften in Bezug auf Lebensmittel, wie Himbeeren und Cola.

 

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber mir gehen diese ganzen „Wir-werden-bald-alle-sterben"-Nachrichten gehörig auf den Senkel. Natürlich sind Dioxin-Eier und Antibiotika-Fleisch überaus ernste Themen. Und selbstverständlich haben Mineralöle  in welcher Konzentration auch immer – nicht das Geringste in unserer Adventsschokolade zu suchen! Nichtdestotrotz hege ich hin und wieder schon so meine Zweifel, ob unsere Welt wirklich so dermaßen gesundheitsschädlich ist, wie man es uns weismachen will. Was gestern noch als gesund galt, wird heute als pures Gift gehandelt und kann morgen schon für ein langes, gesundes Leben verantwortlich gemacht werden. Bestes Beispiel: Kaffee. Lange Zeit sorgten Ernährungswissenschaftler dafür, dass dem Bohnengetränk ein Ruf ähnlich dem von Salzsäure anhaftete. Heute heißt es, Kaffee entzieht dem Körper weder Flüssigkeit noch ist er ungesund. Im Gegenteil: Er soll das Krebsrisiko senken und gegen Altersdemenz vorbeugen. Sicher ist demnach nur, dass mal wieder nichts sicher ist. Und nicht mal das ist sicher.

 

Professor Walter Krämer sieht sich als eine Art Verbraucherschützer, nur dass er statt die Alarmglocken zu läuten, Entwarnung für Gefahren gibt, die gar keine sind. Der 63-Jährige überprüft Zeitungs-, Fernseh- und Internetmeldungen über angebliche Alltagsrisiken. Die Ergebnisse seiner Forschung sind recht beruhigend. Ein Beispiel: Sämtliche Zeitungen titeln in großen Lettern, dass Pepsi und Coca-Cola krebserregend sein könnten. Wer sich näher mit dem „Skandal" beschäftigt, erfährt von einem Farbstoff, der die Krankheit auslöst – im Tierversuch, bei Mäusen! Ein Mensch müsste allerdings täglich etwa 1.000 Cola-Flaschen leeren, um sich einer konkreten Krebsgefahr auszusetzen.

 

„Fahrlässig und unverantwortlich" findet es Krämer, wenn solche Details verschwiegen werden, nur damit Medienvertreter, Politiker und Lobbyisten sich in den Vordergrund drängen können. Der „Anti-Alarmist" bezweifelt zwar nicht, dass manche Befürchtungen gerechtfertigt sind, doch gibt auch zu bedenken, dass in Deutschland viel strengere Qualitätsvorschriften vorherrschen als in vielen anderen Ländern. So wurden im Lebensmittelrecht die Grenzwerte für potentiell gefährliche Stoffe in den vergangenen Jahren derart drastisch gesenkt, dass Himbeeren, würde sie jemand neu erfinden, keine Zulassung erhielten. Denn diese enthalten Säuren, Aldehyde und Ketone in Konzentrationen, die in hergestellten Produkten nicht mehr erlaubt sind.

 

Des Weiteren fand der Statistiker heraus, dass deutsche Tageszeitungen mehr als doppelt so häufig über Schweinegrippe, Dioxin-Belastung und Co. berichten wie französische, italienische oder britische Blätter. Krämers Erklärungsversuch: „Der Deutsche neigt wohl zur Hysterie." Dabei lässt sich eines doch statistisch eindeutig nachweisen. Und das ist die steigende Lebenserwartung.

 

Autor: Hendrik Jürgens

Quelle: www.spiegel.de

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