Werden Insekten das neue „Fleisch“?

Unbehagen, Gänsehaut, ein unangenehmes Kribbeln auf der Haut: Der Anblick von Insekten ruft bei vielen Menschen blanken Ekel hervor. Nie würden sie die Krabbeltiere garen, würzen und verputzen. Doch schon bald könnte jenes Prozedere in Deutschland Gang und Gebe sein. So ist es, laut der Welternährungsorganisation Food and Agriculture Organization (FAO), nur eine Frage der Zeit, bis wir uns dazu gezwungen sehen, auf Insekten als Nahrungsmittel zurückzugreifen. Denn ohne sie sei es unmöglich, die zukünftige Weltbevölkerung zu ernähren.

 

Es wird eng auf der Erde. Bereits im Jahr 2050 werden etwa neun Milliarden Menschen auf dem blauen Planeten leben. Jene mit Lebensmitteln, insbesondere Fleisch, zu versorgen, stellt eine große Herausforderung dar. Die Lösung: Insektengrillen statt Schweineschlachten! Zum einen konkurriert das Getier nicht mit uns Menschen um Nahrung. Zum anderen stellt dessen Verzehr eine umwelt- und klimafreundliche Alternative zur traditionellen Viehzucht dar. Heutzutage landet gut die Hälfte der globalen Getreideernte in Rindermägen, denn es bedarf zehn Kilogramm der Halmfrüchte um ein Kilo Rindfleisch zu produzieren. Die übrigen neun Kilo sind – im wahrsten Sinne des Wortes – Mist. Bei der Insektenzucht gibt es solche Probleme nicht.

Der FAO zufolge existieren weltweit rund 1.400 essbare Insektenspezies. Viele sind besonders fettarm und außerordentlich reich an Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen. Eine Baumwanze zum Beispiel hat genauso viele Proteine wie ein Steak. Laut der Fachzeitschrift „Food an Nutrition Sciences", liegt der Proteingehalt von Heuschrecken bei beachtlichen 77 Prozent (g/100g) der Trockenmasse, womit jene mühelos mit Hühnerfleisch mithalten können. Nur Fisch liefere mehr Eiweiß. Der Fettanteil der Insekten weist eine relativ große Spannbreite auf und beträgt zwischen vier und 34 Prozent. Greift man nach den „richtigen" Tierchen, nimmt man also so gut wie gar kein Fett zu sich. Zudem enthalten sie reichlich Vitamine, Aminosäuren und Magnesium. Daher das Fazit des Fachblattes: Heuschrecken haben einen besonders hohen Nährwert! Auch nicht zu verachten sind Mehlwürmer – jedenfalls in puncto Eiweißgehalt. Denn dieser macht bis zu 69 Prozent der Trockenmasse aus. Der Fettgehalt beträgt 30 Prozent. Außerdem liefern die Würmer alle essentiellen Aminosäuren, die der menschliche Körper zum Überleben braucht.

 

Für rund zweieinhalb Milliarden Menschen in Afrika, Asien und Südamerika gehören die kleinen Krabbler bereits fest zum Speiseplan dazu. In Thailand beispielsweise werden die nahrhaften Snacks längst nicht mehr einfach so vom Waldboden aufgesammelt. Etwa 15.000 Einwohner des Landes verdienen einen Teil ihres Einkommens mit der kommerziellen Zucht von Insekten – Tendenz steigend. Saisonbedingt müssen hin und wieder gar Eiweißlieferanten aus Nachbarländern importiert werden, um der heimischen Nachfrage gerecht zu werden. Lediglich in Europa und Nordamerika war man sich bis vor kurzem noch einig, dass Insekten höchstens ein Fall für den Kammerjäger, nicht jedoch für den Kochtopf sind. Doch auch dort fällt der Tenor dieser Tage längst nicht mehr einstimmig aus.

Die US-amerikanische Firma Bugmuscle etwa liefert proteinreiche Nahrungszusätze, die aus Insekten hergestellt werden und von Bodybuildern und Hochleistungssportler zum Muskelaufbau genutzt werden. Allerdings ist das Getier lediglich in Pulverform enthalten, wodurch ein potentieller Ekelfaktor ausgeschlossen ist. Der Slogan des kalifornischen Unternehmens: „We don´t use steroids! We eat bugs". Auch bei den Bundesbürgern steigt das Interesse am Insektenknabbern. Nicht zuletzt inspiriert durch das quotenreiche RTL-Format „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus", wollen immer mehr Deutsche über ihren Schatten springen und einmal selbst auf einem Insekt herumknuspern. Dabei eignen sich Mehlwürmer besonders gut für „Anfänger", denn die schmecken ein wenig wie Popcorn und haben einen nussigen Flavour. Der hohe Nährwert von Heuschrecken, Mehlwürmern und Co. sowie eine verbesserte CO2-Bilanz spielen dabei jedoch wohl kaum eine Rolle. Vielmehr dürfte die Intention hinter den meisten kulinarischen Neulandsbetretungen der einhergehende Nervenkitzel sein.

 

Autor: Hendrik Jürgens

Quellen: www.fao.org & www.sueddeutsche.de

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