Italiens Kinder sind die dicksten Europas

Nachdem es jüngst bei der Fußballeuropameisterschaft nur zu Platz zwei reichte, kommt es für die Italiener nun noch dicker. Sie führen in der unrühmlichen Rangliste der EU-Länder mit dem übergewichtigsten Nachwuchs. Denn ausgerechnet am Mittelmeer scheinen die Kids von gesunder mediterraner Küche nicht viel zu halten. Eine Studie des Bremer Instituts für Epidemiologie und Präventionsforschung thematisiert Italiens Missstände und zeigt deren schwerwiegende Folgen auf.

 

Die mediterrane Küche gilt als überaus gesund. Obst, Gemüse, Fisch und Olivenöl halten schlank und sind zudem besonders reich an Vitaminen. Umso mehr überrascht es, dass ausgerechnet Italiens Nachwuchs in puncto Übergewicht derzeit alle europäischen Rekorde bricht. Ganze 40 Prozent der zwei-bis zehnjährigen Bambinis sind übergewichtig. In Deutschland sind dies gerade einmal 15 Prozent. Erstaunlich ist auch, dass in den letzten 20 Jahren die Fallzahlen fettleibiger Kinder in weiten Teilen Südeuropas stetig stiegen. So werden nicht nur die italienischen Kids immer dicker, auch deren Altersgenossen in beispielsweise Spanien oder Griechenland nehmen immer weiter zu. Als Grund dafür gilt, dass die bekanntlich so gesunde mediterrane Küche in jenen Gebieten an Beliebtheit einbüßt. Typisch „mediterran" ernähren sich heutzutage vornehmlich die Menschen in nordeuropäischen Ländern wie etwa Schweden.

 

Mehr zum Liebhaben

Wenn es um das Wohlergehen ihrer Sprösslinge geht, sind italienische Mütter bekanntermaßen überaus bemüht. Doch genau jene Fürsorge kann auch schnell zum Bumerang werden. Schließlich hat die italienische Küche auch einige kalorienreiche Gerichte zu bieten, die vor allem Kindermündern sehr gut schmecken: Pizza, Pasta und Eiscreme. Hinzu kommt, dass in Teilen des Landes das zweifelhafte „Schönheitsideal" existiert, dass gesunde Kinder etwas proper seien müssen. So werden Essensregeln von italienischen Eltern auch nur sehr inkonsequent durchgesetzt - und statt eines Apfels zwischendurch auch schon mal der ein oder andere Schokoriegel verteilt.

 

Couch-Potato statt Calciatore

In zahlreichen Großstädten bestimmen zudem chaotische Verkehrsverhältnisse und hohe Verbrechensraten den Tagesablauf vieler Einwohner, die sich nicht mehr trauen, ihren Nachwuchs zum Spielen auf die Straße zu schicken. Stattdessen verbringen viele Kinder, wie auch in anderen Ländern Europas üblich, vermehrt Zeit vor Computer und Fernseher, wobei der Griff zur Chipstüte oftmals mit dazugehört. Doch nicht bloß die Dauer, die die Bambinis tagtäglich auf der Couch verbringen, ist besorgniserregend. Auch die Tageszeit ist problematisch. Denn Italiens Jüngste sind auch zu später Stunde noch auf den Beinen, wodurch sie nachts nicht ausreichend Schlaf bekommen. Die Folge: Übergewicht. Schlafmangel wirkt sich nämlich negativ auf den Stoffwechsel aus. So fanden Forscher heraus, dass Grundschulkinder, die weniger als neun Stunden pro Nacht schlafen, doppelt so anfällig für Fettleibigkeit sind wie Kinder mit elf Stunden nächtlichem Schlaf. Die Studie des Bremer Instituts für Epidemiologie und Präventionsforschung ergab: Italiens Kinder schlafen im europäischen Vergleich am wenigsten. Mamma mia!

 

Autor: Hendrik Jürgens

 

Quelle: dpa

 

Weitere Informationen zum Thema gibt es hier:

Comicfigur soll Italiens Kinder retten

Der Bauch ist rund

Alle Artikel der Rubrik
»
Gesunde Ernährung«.

Verantwortlich für den Inhalt:
Percy Bongers (Chefredaktion)

Copyright © 2018 besserhaushalten