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Zu Besuch auf dem Hamburger Obst- und Gemüse-Großmarkt

 

Hamburg schläft noch sanft, aber der Obst-, Gemüse- und Blumengroßmarkt vor den Toren der Stadt brummt schon wie ein Bienenstock. Es ist fünf Uhr morgens. Das Hauptgeschäft auf dem vielfältigsten Markt der Hansestadt ist schon vorbei. Nur vereinzelt streifen ein paar Kunden durch die 28,3 Hektar große, graue Halle, die komplett aus Beton zu bestehen scheint.

 

Von oben betrachtet, erweckt der Großmarkt den Eindruck einer geschäftigen Stadt. Gabelstapler fahren durch die engen Gassen zwischen den einzelnen Ständen, die aussehen wie kleine Läden. Manche sind mit einem Zaun umrandet, auf anderen sind "Hochhäuser" aus Bürocontainern errichtet. „Der Großmarkt ist eine Gemeinschaft, in der jeder jedem hilft“, erklärt Michaela Grangladen, Mitarbeiterin des Marketings im Hamburger Großmarkt. „Falls Waren verspätet eintreffen, hilft der eine Händler dem anderen, bis die Produkte ankommen“, fährt sie fort. Trotz des starken Zusammenhalts ist der Wettbewerb groß auf den traditionellen Hamburger Verkaufsflächen.

Der Tag beginnt für die circa 2.000 Mitarbeiter des Großmarkts um 18 Uhr. Im 40.000 Quadratmeter großen Kellergeschoss liefern Lkw Erzeugnisse aus dem Umland, Italien, Frankreich oder Spanien an. Um Mitternacht beginnt der eigentliche Verkauf. Neben Gastronomen, die direkt nach Feierabend Ware für den nächsten Tag einkaufen, treffen zu dieser Zeit Kunden aus ganz Norddeutschland und Dänemark ein, um sich mit frischen Produkten einzudecken. Insgesamt zählen rund 4.000 gewerbliche Kunden, wie Kantinen, Restaurants oder Hotels, zu den Abnehmern des Großmarkts. Dem Endverbraucher bleibt der Zutritt allerdings verwehrt. Eine Berechtigung für den Einkauf bekommt nur, wer nachweisen kann, einem Lebensmittel verwertenden Gewerbe nachzugehen. Seit der Erbauung des Großmarktes im Jahr 1962 nahe den Elbbrücken ist dieser Deutschlands größter Umschlagplatz für Obst und Gemüse. Das Warenangebot umfasst zwar ebenfalls Gewürze, Eier und eingeschweißte Lebensmittel, aber diese machen neben der großen Vielfalt an Obst- und Gemüsesorten nur einen kleinen Teil der Produkte aus. Die Mischung aus Regionalität, Frische und auf den Kunden abgestimmten Service ist ausschlaggebend für den Reiz des Großmarkts. Jede erdenkliche Obst- und Gemüsesorte ist hier verfügbar. In einem Meer aus Farben liegen exotische, grüne Chayoten, quietschgelbe Karambolen und saftige, orangene Mangos in der Auslage der Halle.

Neben Südfrüchten sind ebenfalls Erzeugnisse aus der Region gefragt. Deutsche, regionale Ware findet man vor allem auf der sogenannten Erzeugerfläche. „Die Erzeugerfläche ist vor allem bei Gastronomen sehr beliebt. Hier können sie frische, deutsche Produkte einkaufen und die Ware direkt sichten. Das hat den Vorteil, dass man die Qualität vor Ort überprüfen kann“, erklärt Michaela Grangladen. „Außerdem spielt die Vielfalt hier eine besondere Rolle. Eine der Verkäuferinnen hat 38 verschiedene Apfelsorten im Angebot. So lernt man Obst oder Gemüse kennen, das es im Massenhandel schon gar nicht mehr gibt.“ Aber auch besonders exquisite Waren sind im Großmarkt der Hansestadt zu finden: Mangos im Wert von neun Euro, die das Kennerherz höher schlagen lassen, weil sie in Geschmack und Wuchs nicht zu überbieten sind. Oder seltene Pilzarten, die hauptsächlich in den Küchen der Spitzenrestaurants landen.

Um neun Uhr morgens endet der Verkauf in Hamburgs Großmarkt. Inzwischen scheint die Sonne durch die milchglasige Fensterfront der Halle. Für viele Produkte ist es längst zu warm geworden. Eilig werden diese für die Nacht in die kühlen Kellerräume verfrachtet. Nachdem die Flächen der Händler leer geräumt sind, fällt auch endlich die kleine, graue Stadt in einen kurzen Schlaf, bis am Abend ein neuer Tag für ihre Bewohner beginnt.

 

Autoren: Rosche, Detzmeier, Jürgens

 

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