Und ein Spiel dauert 90 Minuten

Viele Lebensmittelhersteller nutzen sportliche Events, wie etwa Fußball-WM und -EM, um Kindern im Namen des Sports Süßigkeiten unterzujubeln. Die Unternehmen setzen dabei auf eindeutige Symbolik, wie etwa einen Fußball oder die Deutschlandflagge und buhlen mithilfe von Comic-Illustrationen und Sammelbildchen um die Aufmerksamkeit der jungen Fans. Die schlucken die Köder – und werden immer dicker.

 

Rund 15 Prozent der deutschen Mädchen und Jungen unter 17 Jahren sind übergewichtig. Ein Wert, der sich während sportlichen Großereignissen wohl kaum bessern dürfte. Denn viele der als gesund beworbenen Fanprodukte erweisen sich als wahre Kalorienbomben. Die Erkenntnis, dass es sich bei nicht wenigen Artikeldeklarationen der Lebensmittelbranche um juristisch wasserdichte „Lügen" handelt, ist natürlich nicht neu. Doch mindert dieses Wissen keineswegs die Mangelhaftigkeit des Status Quo.

 

Eine von der Grünen-Bundestagsfraktion in Auftrag gegebene Studie zeigt auf, wie dieser Tage besonders Kinder im Fadenkreuz der Süßwarenwerbung stehen, für die Unternehmen jährlich rund 800 Millionen Euro ausgeben. Professor Michael Radke von der Potsdamer Klinik für Kinder- und Jugendmedizin nahm im Laufe jener Studie insgesamt 50 Fanprodukte unter die Lupe. Sein Fazit: „75 Prozent der Produkte sind reine Süßwaren, Snacks oder Süßgetränke".

 

Der besorgniserregende Aspekt hierbei ist, dass die zum Sport hergestellte Verbindung, eine gesunde Ernährung suggeriert. Dabei enthalten 50 Prozent der untersuchten Produkte mehr als 500 Kalorien pro 100 Gramm, womit sie regelrechte Dickmacher sind. Nationalspieler Mario Götze beispielsweise wirbt für Frühstücksflocken, die zu ganzen 37 Prozent aus Zucker bestehen. Und das mit den Worten: „Zum Fußballspielen braucht man Power. Es ist daher wichtig, den Körper mit ausreichend Energie zu versorgen". Das Resultat einer derartigen „Versorgung" dürfte jedoch wohl eher nach Rainer Calmund, denn nach Spitzensportler Götze kommen.

 

Professor Radke konstatiert: "Viele Produkte stecken voller ungünstiger Inhaltsstoffe und fördern so das Übergewicht". Zudem kritisiert er die Nährwertangaben auf den Produkten. Diese seien lediglich „Pseudoaufklärung" und häufig kaum zu lesen, da sie viel zu klein gedruckt seien. Die Grünen fordern deshalb ein Ende der "Kinder-Köder-Taktik". Und auch Professor Radke mahnt: „Es gibt schon genug dicke Kinder".

 

Autor: Hendrik Jürgens

 

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